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Die furchtbaren Folgen der
Kriegsjahre waren einigermaßen behoben und die Bevölkerung war wieder
mit dem Nötigsten versorgt. Der Krieg bedeutete aber trotzdem eine tiefe
Zäsur: Althergebrachtes wurde über Bord geworfen oder zumindest in
Frage gestellt. Fremde Einflüsse machten sich breit und verdrängten oder
überlagerten bisheriges Brauchtum. Nicht alle aber ließen sich von der
Woge des Neuen mitreißen, sie ergriffen vielmehr die Initiative zur
Erhaltung und Pflege des überlieferten Brauchtums. Auch die
nachfolgenden Generationen sollten über das Kulturgut ihrer Vorfahren
nicht nur aus Büchern erfahren.

In seiner
Niederschrift zur Gründung des Trachtenvereins "Wolfstoana Buam" in
Freyung schreibt Xaver Stumvoll als Gründungsmitglied und
Schriftführer:
„Es
wurde bekannt, dass Rosenauer Heinrich von Kreuzstraße No 2 bei Freyung,
seit dem Jahre 1923 in der Trachtenbewegung tätig ist.
Ludwig Sammer aus Ahornöd und einige seiner Kameraden ersuchten Rosenauer einen Gebirgstrachtenverein zu gründen. Unter Aussprache mit
Herrn Dr. Fritz Lang aus Freyung, sowie dem Geschäftsführer des
Fremdenverkehrsvereins Herrn Beierschotter aus Bannholz, kam es am 8.
Februar 1953 im Gasthaus Franz Blumstingl in Freyung zur Gründung des
Trachtenvereins "Wolfstoana Buam" mit 12 Gründungsmitgliedern.
Als Gründungsmitglieder
seien genannt:
|
1.Vorstand |
Rosenauer Heinrich |
Kreuzstraße |
|
2.Vorstand : |
Binder
Otto |
Solla |
|
Schriftführer |
Stumvoll
Xaver |
Freyung |
|
Kassier |
Sammer
Ludwig |
Ahornöd |
|
1.
Vorplattler |
Mini Max |
Promau |
|
1.
Vortänzer |
Koll
Johann |
Promau |
|
1.
Beisitzer |
Höfler
Otto |
Freyung |
|
2.
Beisitzer |
Kandlbinder Max |
Ahornöd |
|
Vereinsmusiker |
Mini
Ludwig |
Promau |
|
|
Rosenauer
Johanna |
Kreuzstraße |
|
|
Poxleitner Maria |
Wolfstein |
|
Der
hiesige Fremdenverkehrsverein als cooperatives Mitglied." |
Soweit in Auszügen aus dem
Gründungsprotokoll von Xaver Stumvoll.
Noch im gleichen Jahr wurde eine
Jugendgruppe gegründet, damit die Kontinuität der Vereinsarbeit
gewährleistet war. Im Jahre 1954 beteiligte sich der junge Verein
bereits aktiv an den Feierlichkeiten zur Stadterhebung und zum
800-jährigen Bestehen von Freyung.
Ein großes Fest konnte am 19. Juni 1955 gefeiert werden an dem 33
Gastvereine teilnahmen: Die Weihe der neuen Vereinsfahne.

Der Trachtenverein „D’Reschenstoana“
aus Hals bei Passau hatte die Patenschaft übernommen. Die erste
Fahnenmutter des Vereins war Anna Nachtmann.

Eine schwere Krankheit zwang den
1. Vorstand Heinrich Rosenauer im Jahre 1958 zum Rücktritt. In
Anerkennung seiner Verdienste wurde er am 30. August 1958 zum
Ehrenvorstand gewählt.
Seine Nachfolge trat der
damalige Landtagsabgeordnete Otto Fink an, der den Verein bis 1965
führte. Aus den verschiedensten Gründen, wohl aber besonders deshalb,
weil sich der 1. Vorstand auf Grund seiner Landtagsarbeit die meiste
Zeit in München aufhalten musste, kam es im Laufe der Zeit zu einer
schweren Krise und eine Auflösung des Vereins war nicht auszuschließen.
In dieser schwierigen Situation
übernahm Max Mini die Führung des Vereins. Er konnte mit viel Einsatz
und Idealismus besonders auch die Jugend wieder von der Trachtenidee
begeistern. Die Zeichen der Zeit standen günstig: Viele junge Menschen
wurden von ihm angesprochen und vom Wert der Trachtenarbeit überzeugt
und dadurch für den Verein gewonnen. Die gesamte Vorstandschaft war sich
einig in dem Bemühen, die Jugendarbeit optimal zu fördern.
So konnte der Trachtenverein im
Jahre 1973 auf sein 20-jähriges Bestehen zurückblicken und aus diesem
Anlass hat der Dreiflüsse-Trachtengau Passau unseren Verein mit der
Ausrichtung des Gautrachtenfestes betraut, was damals wie heute für den
Trachtenverein eine große Ehre bedeutete.
Max Mini, der damalige 1.
Vorstand schrieb in seinem Grußwort der damaligen Festschrift:
„.... Wollen wir aber bei all
dem nicht vergessen, dass auch dieses Fest vorübergeht und dann wieder
die Kleinarbeit in den Vereinen beginnt. Wir haben eine schöne, wichtige
Aufgabe für unsere Nachwelt zu erfüllen. Stehen wir zusammen, gehen wir
weiter auf dem eingeschlagenen Weg, gerade in unserer materialistischen
Welt braucht man uns mehr denn je.“
Diese Zeilen sind mittlerweile
30 Jahre alt und gelten trotzdem heute noch uneingeschränkt.
Ein Glücksfall für den
Trachtenverein war sicherlich, dass zu diesem Gründungsfest Frau Anna
Friedsam als neue Fahnenmutter der Trachtler gewonnen werden konnte. Sie
ist bis heute die gute Seele des Vereins. Was sie in diesen 30 Jahren
an persönlichem Einsatz und finanzieller Unterstützung für den Verein
geleistet hat, geht weit über das Selbstverständliche hinaus.
So erlebten die „Wolfstoana Buam“
in den 70er Jahren einen großen Aufschwung und weil dem rührigen 1.
Vorstand Max Mini eine tüchtige Vorstandschaft zur Seite stand, scheute
man sich nicht, im Jahre 1978 das 25-jährige Gründungsfest gebührend zu
feiern. Wie schon 1973 übernahm der damalige Landrat Franz Schumertl die
Schirmherrschaft. Zu diesem Zeitpunkt konnte der Verein bereits auf über
300 Mitglieder bauen.

(von
links nach rechts: Otto Fink, Ludwig Mini, Max Mini, Heinrich Rosenauer
sen.,
Franz Schumertl, Xaver Stumvoll, Max Kandlbinder)
Viele der neuen Mitglieder waren
Kinder und Jugendliche, die seit 1976 von Helmut und Katharina Nusser
als Vortänzer bzw. als Jugendleiterin mit großem Einsatz und
Sachverstand betreut wurden.
Vom Jahre 1979 bis 1985 übernahm Helmut Nusser zusätzlich noch das Amt
des 2. Vorstands und arbeitete zusammen mit Max Mini als 1. Vorstand zum
Wohle des Vereins.
Seit der Gründung des Vereins wurde auch der Bereich Volksmusik und
Gesang gepflegt und hier ist sicherlich an einen Mann zu denken, der uns
bis heute als ein Freyunger Original in Erinnerung geblieben ist: Xaver Stumvoll (1897 – 1982).
Er gründete die „Stub’nmusi Wolfstoana Buam“ und unterrichtete viele
Kinder und Jugendliche im Zither- und Gitarrenspiel. Für seine
herausragenden Verdienste im Bereich Volksmusik und Kultur wurde Xaver
im Jahr 1980 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Im Jahre 1985 wurde Max Mini für seine herausragenden Verdienste zum
Ehrenvorstand ernannt und Helmut Nusser übernahm die Verantwortung für
die Trachtler als 1. Vorstand. Josef Jungwirth wurde zum 2. Vorstand
gewählt – eine Aufgabe, die er bis zum Jahre 2003 mit großem Einsatz wahrgenommen
hat.
Bis zum Jahre 2000 führte Helmut Nusser den Verein sowohl als 1.
Vorstand, als auch als 1. Vortänzer und seine Ehefrau Katharina Nusser
kümmerte sich als Jugendleiterin um den Nachwuchs.
Als Anerkennung für den langjährigen, unermüdlichen Einsatz zum Wohl der
Trachtenjugend erhielten Helmut und Katharina Nusser im Jahre 1997 das
Ehrenzeichen der Bayerischen Trachtenjugend in Gold.
Der Trachtenverein entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem immer
bedeutender werdenden Faktor im Kulturleben unserer Stadt. Dies wurde
vom Stadtrat entsprechend gewürdigt und Helmut Nusser erhielt für seine
langjährigen Verdienste in der Vereinsarbeit im Jahre 1990 die
Stadtmedaille in Silber und zehn Jahre später die Stadtmedaille in Gold.

(von links nach
rechts: Ehrenvorstand Helmut Nusser,
Fahnenmutter Anna Friedsam,
Ehrenmitglied Max Kandlbinder)
Im Jahr 2000 hat Helmut Nusser die Führung des Trachtenvereins in die
Hände von Manfred Feucht gelegt. In seiner Amtsperiode wurde im Juli
2003 das 50-jährige Gründungsfest in Verbindung mit dem Gautrachtenfest
des Dreiflüssegaues Passau gefeiert. Von Oktober 2003 bis Oktober
2008 stand Georg Maier an der Spitze des Vereins. Bei der
Mitgliederversammlung am 31. Oktober 2008 wurde Herbert Schiller zu
seinem Nachfolger gewählt.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Trachtenverein "Wolfstoana Buam" seit seiner Gründung
im Jahr 1953 durch die Mühen und den Einsatz vieler Trachtlerinnen und Trachtler
einen wichtigen Beitrag für das kulturelle und gesellschaftliche Leben
der Stadt Freyung und weit darüber hinaus geleistet hat und sich auch in
Zukunft dieser wichtigen Aufgabe stellen wird.
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